Urheberrecht: Darf ich Fotos aus dem Internet verwenden?

Ich persönlich finde das Urheberrecht in Österreich ja eigentlich recht spannend; es liest sich – im Vergleich zu anderen Gesetzestexten – ja fast schon „knackig“. All jene, die dies nicht so sehen (bzw. einfach Besseres zu tun haben, als Gesetzestexte zu schmökern) möchte ich kurz und bündig aufklären, warum man als Privatperson – und schon gar nicht als Unternehmer – eben nicht einfach so Fotos, Bilder oder Videoclips etc. aus dem Internet weiterverwenden bzw. teilen darf/sollte:

Prinzipiell ist jedes „Werk“ (also zB ein Foto, eine Grafik, ein Musikstück, ein Film, eine Zeichnung, eine Website, ein Flyer oder sogar ein Newsletterdesign) automatisch mit seiner Entstehung (es ist somit keine Registrierung oder die Anbringung eines „Copyright“-Symbols notwendig) urheberrechtlich geschützt. Dieses „Werk“ muss allerdings eine gewisse „Unverwechselbarkeit“ oder „Eigentümlichkeit“ aufweisen – wann dies jedoch jetzt genau der Fall ist, darüber wird regelmäßig vor Gericht gestritten. Unbestritten ist allerdings, dass jenes Werk bereits umgesetzt, also „in Form gebracht“ sein muss – die bloße Idee ist laut Urheberrecht nicht geschützt!

Ist ein Werk urheberrechtlich geschützt (was zB gerade bei Fotografien fast immer der Fall ist), darf dieses – ohne Einverständnis des Urhebers bzw. des Fotografen – u.a. weder verwertet (wie zB durch Verkauf), vervielfältigt (durch Kopie; dies gilt auch bei digitalen Kopien, sprich beim Herunterladen einer Datei, wenn diese dauerhaft gespeichert wird – gerade dieser Aspekt wird in letzter Zeit laufend vor Gerichten diskutiert), verbreitet (durch Auflegen, Aushändigen) oder vermietet bzw. verliehen werden. In jedem Fall muss man also beim Urheber nachfragen, ob man dieses Werk, hier ein Foto, verwenden darf. Weiter ist unbedingt darauf zu achten, in welcher Weise man ebenjenes Foto verwenden darf, sprich welche „Werknutzungsbewilligung“ (zB durch Lizenzverträge) der Urheber einem einräumt bzw. verkauft. Der Fotograf als Urheber kann nämlich ganz genau bestimmen, was mit seinem Foto bzw. Werk passieren soll: So kann er zB bestimmen, dass sein Foto exklusiv in Österreich für lediglich 2 Jahre und dann auch nur für die Website und eine Broschüre im Format maximal DIN A4 genutzt werden darf. Wenn sich Unternehmen nicht daran halten, kann dies übrigens recht unschön enden: DerStandard.at „Urheberrechte verletzt: Wiener Fotograf klagt auf Millionensumme „.

Um ein weiteres Beispiel zu nennen, welches vielleicht doch einige Kleinunternehmer, EPUs oder auch KMUs betrifft: Der Pass läuft 2017 ab und man nutzt gleich die Gelegenheit und lässt ein aktuelles Foto machen, welches man nun auch für die Visitenkarte, die Homepage oder auch einfach nur als neues Profilbild bei Facebook verwenden möchte. Das ist allerdings nur zulässig, wenn der Fotograf dieser Verwendung explizit zugestimmt hat (Wurde besagtes Foto allerdings bei einem Fotoautomaten gemacht, dann gilt zwar nicht das Urheberrecht, allerdings das Leistungsschutzrecht).

To make a long story short: Nur weil Bilder, Fotos, Texte, Musikstücke oder Grafiken im Internet frei verfügbar sind, heißt das eben nicht, dass man diese auch frei bzw. einfach so weiterverwenden darf!

 

Zum Nachlesen: 

RIS – Urheberrecht

WKO – Zum Leistungsschutzrecht (pdf)

 

Hier kann man Fotos von sich / dem Büro/ der Mitarbeiter machen lassen:

Fotograf Philipp Hager

 

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